In letzter Zeit merke ich immer mehr …

Dass ich schon vierzig Mal Geburtstag gefeiert habe. Es liegt nicht am großen Ganzen, sondern am alltäglichen Kleinen. Letzte Woche zum Beispiel. Da kam ein Prospekt – ja, bei mir darf Werbung eingeschmissen werden, her damit. Umwelttechnisch eigentlich nicht vertretbar, aber es ist halt der wöchentliche Serotoninausstoß, auf den ich nicht verzichten will. „Für den Preis, da kannst nix sagen.“ Oder: „Schau mal, da gibt es ein Tischchen, das würde doch super hierhin passen.“ Ihr wisst was ich meine.

Ich schweife ab. Das Prospekt also. Es war so ein Modeprospekt, nicht für die jungen Hippen, sondern eher für die gediegene Reife. Zum Beispiel das Pretty Woman Punktekleid – natürlich mit angemessenem Ausschnitt, der knapp über meinen Falten am Dekolleté endet und mit absolut figurumschmeichelndem Schnitt um die Hüfte. Oder die dunkelblaue „Bluse“ aus locker fallendem Jersey, mit den weißen Abnähern am (gediegenen) Ausschnitt. Diese Bluse gab es auch noch in der Variante: Zum Lamas hüten durchaus angemessen. Ich meine damit das freche Ethnomuster. Das haben die jungen Hippen doch auch alle an, oder hatten es an. Vor einigen Jahren, aber was weiß ich schon. Das Ethnomuster also. Das ist farblich so gewählt, dass Frau es auch auf ihrem Indientrip gut tragen kann und nicht zu sehr auffallen wird.

Es gibt aber auch gemütliche Businesshosen aus festem Jersey, damit kann man auch als Topmanagerin ins Büro gehen und es drückt nicht so am Bauch. Denn das ist auch so eine Sache: Die eingelegenen Falten, von was auch immer die kommen, die werden nicht mehr so schnell glatt, es ist in etwa so, als ob die Hose am Bauch den Grundstein für nie mehr verschwindende Falten legen würde. Deshalb also angenehmer, fester Jersey in Businessstyle.

Schuhe. Für viele Frauen sind Schuhe DIE Möglichkeit für einen Nebenkriegsschauplatz, frei nach dem Motto: Je auffälliger die Schuhe, desto dünner der Hintern. Also halt optisch getäuscht, aber besser als nix. So  ist das bei mir aber nicht. Ich leide nämlich schon seit vielen Jahren an breiten Füßen. Also ich meine so breiten Füßen, dass Riemchensandalen zu weinen beginnen, wenn sie an meinen Füßen landen. Das begann so im Teenageralter. Jetzt muss man halt sagen, dass das nicht besser wird mit den Jahren und den dazukommenden Kilos. Mittlerweile hat sich nämlich zu dem breiten Fuß noch Fußfett dazuaddiert. Deshalb bin ich in Sachen Schuhmode ein absoluter Fan von Ballerinas oder FlipFlops. Zweitere, weil die ja rein breitentechnisch wirklich optimal sind und Erstere, weil ich schließlich irgendwas zum Autofahren brauche und was für die Stadt. Da sind FlipFlops nämlich echt eklig, finde ich. Aber das ist ein anderes Thema.

Und jetzt kommt endlich das, was mich merken lässt, dass ich mich verändert habe mit den 40: Ich finde diese Prospekte nicht mehr scheiße. Jetzt ist es raus. Ich stehe dazu. Ich finde diese Mode teilweise schön, nicht altmodisch oder so. Ich denke mir bei fast jedem Teil, dass das meiner Figur gut tun würde und solche Sachen.

Ich verändere mich, obwohl ich doch immer noch das tanzende Partygirl bin (also in meiner Empfindung meine ich). Wer sich nicht verändert, stagniert und das finde ich wahrlich gruselig. Und das alles denke ich, wegen einem Prospekt.

Ich mache mir einen Kaffee. Mit Hafermilch.

Bis bald,

Karin

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